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„Ich will berühmt werden!“ – Narzistische Balancen in der Medienwelt |
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18. Rheinische Allgemeine PSYCHOtherapietagung
12.5.2012, Köln/Hürth |
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www.raptage.de |
„Ich will berühmt werden!“
Narzisstische Balancen in der Medienwelt
18. Rheinische Allgemeine PSYCHOtherapietagung,
Samstag, 12.5.2012, Hürth/Köln
Gryphius mahnte „Der Ruhm, nach dem wir trachten, den wir unsterblich achten, ist nur ein falscher Wahn." Heute, befreit von den Schrecken der Kriege, sehen viele den Ruhm ganz anders: berühmt zu werden scheint vielen ein sinnstiftendes Lebensziel. Während Sebastian Brant 1494 die, „die sich berühmen hoher Dinge / und wollen sein, was sie nicht sind, / und wähnen, alle Welt sei blind“, auf sein Narrenschiff lud, scheinen heute die fast nicht mehr normal, die sich nicht vor Kameras und Mikrofonen (ent)äußern. Im 19. Jahrhundert versuchte man den Ruhm mit der Ehre zu bändigen; Ruhm suchen wir weiter, Ehre scheint ein Fremdwort geworden zu sein.
Wir tragen den Marktplatz der Eitelkeiten in unseren Taschen und schalten ihn zuhause gerne ein um zu schauen wer das Interesse der Medien gefunden hat.
Um die Stufen des Ruhms zu erklimmen reichen nicht einige Freunde in der cyberworld. Man hat mich gesehen, also gibt es mich. Es reicht nicht, wenn die Mutter sich über mein Produkt freut, die Welt soll sich freuen!
Die Erfindung des Narzissmus hat der Einmaligkeit des Einzelnen die Notwendigkeit der uniformen Anerkennung durch die Großgruppe gegenübergestellt und den Glauben gefördert, der Einzelne dürfe sich nicht zu sehr im Spiegel betrachten, auch wenn er den Glanz im Auge der Mutter in sich trägt. Die Hoffnung die Anerkennung durch viele könne die eigene Ablehnung übertönen, erweist sich jedoch meist als trügerisch, auch wenn man diesem Ziel seinen Lebensplan untergeordnet hat.
Das bittere Schicksal Ruhmessüchtiger scheint nicht abzuschrecken: ausgebrannte Manager, suizidale Sportler (Enke) und drogenverlorene Künstler (Jackson, Spears, Winehouse) scheinen uns unsterblich.
Die Befriedigung des Kampfes um Anerkennung (Honneth) mit Liebe, Recht und Solidarität reicht vielen nicht. Eltern nutzen den kindlichen Spiel- und Zeigetrieb, um ihnen früh auf der Bühne des „Supertalents“ den Geschmack des Ruhms anzugewöhnen. Risiken des Ruhms für Leib und Seele werden bis zur Nichtigkeit relativiert. Gegenüber der Gier zum Medium, zum zwischenmenschlichen Schein-Kontakt, in aktiver und passiver Form, knickt die Vernunft ein. Sie erhält die Rolle des „Spielverderbers“, der einem den Höhenflug zur Sonne nicht gönnt, nur weil die Flügel schmelzen könnten und ich den Absturz nicht unbeschadet überleben könnte.
In aller Bescheidenheit laden wir Sie zu einem Tag rühmlichen Gedenkens mit leckeren Reden und Speisen sowie erlebnisreichen Workshops und Lobbykontakten ein.
Ihre gap-ev., Dr.
J. Junglas, G. von Müller, Dr. Dr. R. Arndt, R. Schwarz, Dr. Dr. B. Wegener
Beiträge:
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Anne
M. Lang: Hypnosystemische Herangehensweise an narzistische
Zeitgeist-Phänomene Reiner Schwarz: Psychologie des Ruhms (Vortrag) Reiner
Schwarz: Ruhmessüchtige in der Psychotherapie
(Workshop) |
Mittels sogenannter Casting-, Coaching- und Reality Shows offerieren private wie öffentliche Sendeanstalten immer mehr Möglichkeiten, das eigene Leben coram publico vorzuführen. Unter dem Geniestreich des sogenannten „Helptainments“ wird breiten Zuschauerkreisen scheinbar demokratisch die vermeintliche Chance geboten, einmal Gehör zu finden, wahrgenommen und von narzisstischen Wunden befreit zu werden, wenn sie sich dabei filmen lassen, wie sie sich materielle und psycho-soziale Notlagen von prominenten Fernsehhelfern abnehmen lassen, während die Betroffenen abverlangter Passivität und Verantwortungsabgabe huldigen.
So werden bei allgemeinem stillen Einvernehmen zum einen Zuschauer wie Laiendarsteller an Führung und „geführt“ werden gewöhnt, wie auf übergeordneter Ebene eine Bereitschaft zu Diktat und Verrat an den meist sogar eigenen Landsleuten genährt wird.
Anstelle vorgeblich authentischer Real-Live Dokus entsteht eine vorurteilsentsprechende, durch die Bedingungen der Abbildung und Unterhaltungsabsicht determinierte Abbildungsrealität. Eigenes wird dabei verausgabt und individuelle Realität in den Status eines spielähnlichen Als Ob versetzt. Zuschauer wie rekrutierte Darsteller werden entgegen allen Anscheins der eigenen Situation eher entrückt als sich näher gebracht, für ein paar Euros materiell wie psychisch als Versager, Verwahrloste und Dauerbedürftige inszeniert, und mit dem mit jeder Sendung untermauerten Präkariatsklischee als getrost aufgebbare Spezies diskriminiert.
Ob diesen gemeinhin kritikverschonten Geschehens intendiert der Vortrag, die Psycho- und Sozio-Logik dieses „Kulturproduktes“ aufzuspüren.
1. Öffnen der Perspektivenvielfalt: Narzistischer Ausdruck oder Chancen für Außenseiter oder Verheizung von Naiven oder Rekrutierung von Talenten oder Entdecken der zuvor Ungewollten oder wie .....?Was erfassen die jeweiligen Perspektiven vom Phänomen und was jeweils nicht?
2. Welche Systeme sind beteiligt: Als Psychologen und Psychotherapeuten haben wir weniger mit den „Medien-Kandidaten“ zu tun, eher mit welchen, die diese Sendung konsumieren.
Was also regt uns und unsere Klienten bei diesem Zeitphänomen auf oder an?
Welche Familiensysteme, Bezugssysteme, Kommunikationssysteme entstehen dadurch?
3. Was ist zu utilisieren: Wir könnten z.B. diesen Shows interessante Übungen entlehnen: Mit welchem Talent würden Sie auftreten? Ein Auftritt, der ihnen besonders gelungen ist? Wir könnten darin ein Spiegel der Gesellschaft sehen und ableiten, was daran gut ist oder schlecht. Wir könnten die Auftretenden beraten. Wir könnten......usw.
4. Welche
Suggestionen sind im Spiel:
Über Medien werden bildhaft -d.h. unbewusst besonders verankert- implizite Botschaften, Suggestionen, Fixierungen vermittelt. Aufklärung und Abklärung darüber erweitert.
5. Wie prägt die Sprache und Kommunikation die Wirklichkeit: Welche Sprache und Kommunikation geht damit einher und wie prägt die wiederum unser Denken.
Im Workshop wollen wir diese verschiedenen Aspekte kritisch betrachten und weniger diagnostisch als vielmehr kreativ offen dieses Zeitgeistphänomen bzw. Medienphänomen betrachten. Da wir dabei relevante hypnosystemische Vorgehensweisen verwenden, vertiefen wir unsere hypnosystemische Methodik.
Hypnosystemische
Herangehensweise an narzistische Zeitgeist-Phänomene
Anne M. Lang
1. Öffnen der Perspektivenvielfalt.
2. Welche Systeme sind beteiligt?
3. Was ist zu utilisieren?
4. Welche Suggestionen sind im Spiel?
5. Wie prägt die Sprache und Kommunikation die Wirklichkeit?
Wir werden Workshop unter diesen relevanten hypnosystemischen Aspekten das Thema kritisch, weniger diagnostisch als vielmehr kreativ offen betrachten. In der Anwendung erlernen wir so auch hypnosystemische Methodik.
Profil: Dipl. Psych. Anne
M. Lang, App. PP PTK NRW, Senior-Coach BDP, Leitungen der beiden Bonner
Fachinstitute für Fort-/Weiterbildung: AML Institut Systeme/ DGSF, www.institut-systeme.de, Milton
Erickson Institut Bonn / M.E.G, www. meg-hypnose-bonn.de, Lehrdozentin/Lehrsupervisorin der MEG, DPA für Hypnotherapie und
Systemische Therapie.
Ruhm wird Suchtcharakter zugeschrieben. Die
ruhmessüchtige Person will also immer mehr davon und ist nie zufrieden. Es
liegt nahe, dass solche Menschen Leidensdruck haben und Psychotherapien
aufsuchen. Entwicklungsgeschichtlich hat der kindliche Narzissmus Bedeutung, im
Rahmen dessen wir den kleinen Prinzessinnen und Prinzen natürlicherweise
zugestehen, die besten und tollsten zu sein und wir applaudieren milde
lächelnd, der das kleine Mädchen eine große Schauspielerin werden will und der
kleine Junge Weltraumfahrer. Die Kinder spielen, was die Sache harmlos macht
und es fällt uns leicht, die gewünschte Bestätigung zu geben. Bei den
Erwachsenen ist alles ernst. Wir erwarten von Ihnen, da sie sich der Realität
stellen und wenn die Diskrepanz zwischen dem, wer oder was sie sein wollen und
der Realität zu groß ist, entsteht der Leidensdruck, der häufiger auch in der
Psychotherapie zur Sprache kommt. Größenfantasien müssen verleugnet werden, da
es sonst zu peinlich wird. Wir haben es also unter Umständen mit einem Menschen
zu tun, die hoch hinaus will, das aber niemals zugibt und von uns verlangt, ihn
aus diesem Dilemma herauszuführen. Viele ruhmsüchtige Narzissen möchten nicht
über ihre Wünsche sprechen, sie wollen, dass sie wahr werden. Leichter ist es
mit den Minderwertigkeitskomplexe, die regelmäßig als Spiegelbild der
Ruhmessucht auftreten und über die besser gesprochen werden kann, da sie viel
weniger peinlich sind. Denn hier ist man ein Opfer, das über sich selbst klagt.
Meiner Erfahrung nach entsteht ein behandlungsbedürftiges Problem dann, wenn
die Diskrepanz zwischen dem ursprünglichen Größenfantasien und der realen
Lebenssituation allzu groß wird. Wenn immerhin einiges im Leben geschafft
werden kann, ist es meistens nicht so schlimm und im günstigsten Fall wirkt
sich die narzisstische Ruhmessucht motivierend aus und am Ende kann über das
hochgesteckte Ziel selbstironisch gelächelt werden. Das wären dann aber
Personen, wie uns nicht brauchen, sie zeigen aber an, wohin man therapeutische
eventuell kommen müsste. Wirksam kann eine Psychotherapie der Ruhmessucht dann
werden, wenn eine Haltung eingenommen werden kann, in der eine fragile
Gratwanderung zwischen einer Bestätigung der Größenfantasien und der
Verstärkung der Scham durch Hinweis auf die Realität eingehalten werden kann.
Der
Workshop soll auch mit Fallbeispielen des Referenten dazu dienen, praktische
Behandlungsaspekte in der Psychotherapie mit narzisstischen Patienten zu
diskutieren. Dabei gilt es, folgende Fragen zu klären:
1.
Wird das Problem von den Teilnehmern als für ihre therapeutische Praxis
relevant angesehen, und wenn ja, in welcher Weise. Gibt es Patienten, bei denen
so etwas wie Ruhmessucht besteht oder berechtigterweise vermutet werden kann
und wie wird das Problem von den Kolleginnen und Kollegen wahrgenommen?
2.
Wie sind die Erfahrungen der Teilnehmer im Umgang mit narzisstischen
Größenfantasien. Zu einem gibt es natürlich die Kohut´sche Schule, wie im
Narzissmus eine motivierende Kraft sieht und die uns empfiehlt, eine gewährende
und in keinem Fall kränkende und beschämende Haltung einzunehmen. Andererseits
können Patienten, die „dick auftragen“ und sich nach unserer Einschätzung weit
von ihren realen Möglichkeiten entfernen, in der Gegenübertragung Zorn und
Ablehnung provozieren, der es uns sehr schwer macht, eine gewährende Haltung in
einer echten und authentischen Form aufrechtzuerhalten.
3.
Wie kann die Funktion der Psychotherapie im allgemeinen so wie für diese
Patientengruppe im speziellen betrachtet werden? Sind wir Begleiterinnen und
Begleiter, die die gekränkten Seelen trösten und deren Empörung darüber, dass
sie nicht das geworden sind, wofür sie sich für befähigt und geeignet oder
berufen halten, bestätigen und gutheißen und somit die schlechte Welt als
gemeinsamen Feind bestimmen? Oder sind wir Anwälte der Gesellschaft
beziehungsweise der Realität, die ihr ruhmsüchtige Person heilen, also quasi
„auf den Teppich bringen“ und damit an die Forderungen der Gesellschaft, der
Familie oder der Ehepartner, anpassen?
Bekanntermaßen
klaffen Ideal-Ich und Real- Ich auseinander. Trotz beachtlicher Erfolge wird
mit zunehmendem Alter diese Kluft deutlicher. Während in der Adoleszenz vor
allem bei Menschen mir breiter Begabung das Allmachtsgefühl der Pluripotenz noch im scheinbar unbegrenzten Raum der Zukunft
erhalten bleibt so ist gerade vor dem
Hintergrund der begrenzten Lebenszeit spätestens ab der sog. Lebensmitte diese
Illusion zerstört, selbst wenn jemand überdurchschnittliche Erfolge aufzuweisen
hat.
Die
Krise in der sog. Lebensmitte oder im frühen Alter wird allzu oft nur
vordergründig mit dem Klimakterium begründet, vielmehr ist es aber ein Zeitpunkt
in dem die Kränkung der Endlichkeit bisherige narzisstische Plomben lockert.
Kernberg hat mehrfach auf die hohe Suizidalität
erfolgreicher aber schwer narzisstisch gestörter Menschen im Alter hingewiesen.
Der
geplante Vortrag behandelt anhand von Fallvignetten einer fünfzigjährigen,
ehemals in einem Privatsender erfolgreichen Journalistin, einem gescheiterten
Historiker und natürlich bei einem hochaltrigen Prominenten die o. g.
Symptomatik.
Ebenso wird auf bestimmte narzisstisch hoch besetzte
Milieus hingewiesen, die mit Misserfolg und Scheitern destruktiv umgehen, bzw.
in denen nur sehr gesunde Menschen mit wechselndem Erfolg überleben könnten.
Ferner
werden therapeutische Wege aufgezeigt auch noch im späteren Lebensalter eine
bis dahin verdeckt und kompensiert
gebliebene narzisstische Persönlichkeitsstörung
mit psychoanalytischen Mitteln zu behandeln.
In
Gruppentherapien mit Älteren sind narzisstische Motive, die sich vordergründig
gegen jüngere Therapeuten richten oft lähmend und destruktiv. Im folgenden
Seminar sollen derartige Gruppensequenzen vorgestellt werden und praktische
Auswege aus einem von Suizidalität überschattetem erarbeitet werden. Ferner
sollten Kriterien erarbeitet werden, bei welchen Patienten nan
besser Abstand von aufdeckenden Therapiemethoden im Alter nehmen sollte